
Die Freiwillige Feuerwehr in Bergheim von 1923 bis heute!!
Am 23. Januar 1923 wurde in Bergheim der Aufruf erlassen, Haus und Hof sowie vor allem die bebauten Felder vor Bränden und Plünderungen zu schützen. Diese waren in der damaligen Besatzungs- und Inflationszeit nicht selten. Hierzu wurde eine "Flurschutztruppe" aufgestellt. Aus dieser Gruppe heraus reifte die Überlegung zu einer selbständigen freiwilligen Feuerwehr für den Bereich Bergheim, wie es sie ja schon in Friemersheim (seit 1903), Hochemmerich (1907) und Oestrum (1921) gab.
So kam es am 02.11.1923 beim Gastwirt Kolkmann (Flutweg) zur Gründungsversammlung. 30 wackere Bürger stellten sich in den Dienst für die gute Sache. Zum ersten Brandmeister wurde Burghard Lindermann gewählt. Die Löschgruppe Bergheim war geboren.
Natürlich war keiner der Männer mit dem Brandschutz vertraut. Aus diesem Grunde zog man den damaligen Brandmeister der Friedrich-Alfred-Hütte, Heinrich Kersken, zu Rate. Er übernahm sogleich als Oberbrandmeister die Führung der Löschgruppen Oestrum und Bergheim.
Die Gründung der freiwilligen Wehr war natürlich auch mit Kosten verbunden, doch damals wie heute war das Stadtsäckel leer. Um so mehr zückten Bergheims Bürger und die Zeche Mevissen ihre Börsen Es kam genug Geld zusammen, um Schlauchmaterial, Stand- und Strahlrohre anzuschaffen. Einen Löschzugkarren erhielt man von den Löschzügen in Hochemmerich. Zuerst verwahrte der Gastwirt Kolkmann die Gerätschaften, später der Gastwirt Wilhelm Impelmann (Jägerstraße) der einen größeren Lagerraum zur Verfügung stellen konnte.
Somit wurde die Wirtschaft Impelmann zum neuen Wehrlokal. Hier wurden die Mannen unter der Anleitung von Oberbrandmeister Kersken intensiv ausgebildet. Fleißig wurde mit den wenigen zur Verfügung stehenden Löschgeräten geübt.
Anfang 1929 miete die Gemeinde Bergheim dann die alte Werkstatt des Stellmachers Nellen an der Buchenstraße an. Somit erhielt die noch junge Löschgruppe ihr erstes, eigenes Gerätehaus, daß der freiwilligen Feuerwehr noch bis heute als Unterkunft dient!!!
Im gleichen Jahr erhielt man von der Hütte eine Motorspritze die jedoch von Pferden gezogen werden mußte.
Dies führte zu einigen Problemen, da die erforderlichen Zugtiere im Einsatzfall erst vom Bauern Dietrich Kayser (In den Peschen) geholt werden mußten. Hierdurch mußten die Wehrmänner oft wertvolle Minuten auf die Ackergäule warten, bis Sie zum Brandort ausrücken konnten. Um diesen Mißstand zu beheben wurde eine Radfahrgruppe ausgerüstet, damit zumindest ein Teil der Wehr schneller an der Brandstelle eintraf.
Die Alarmierung erfolgte Anfangs noch mit Nebelhörnern die an den Fünf Bergheimer Feuermeldestellen geblasen wurden.
1930 erhielt die Löschgruppe ihr erstes Motorfahrzeug, einen Ford. Zum Maschinisten wurde Unterführer H. Schmitz gewählt. Somit entwickelte sich die Wehr zu einer schlagkräftigen Truppe. Durch die Gründung der Stadt Rheinhausen im Jahre 1933 wurde die Bergheimer Feuerwehr zum 4. Löschzug Rheinhausen.
Der Freiwilligkeit und Selbständigkeit, aufgebaut auf einer kameradschaftlichen Vereinsgrundlage, wurde jedoch schnell ein Ende gesetzt, den aufgrund einer 1938 erlassenen Notdienstverordnung mußte der Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) in Rheinhausen gegründet werden. Aus der Freiwilligen Feuerwehr wurde eine direkt der Polizei unterstellte "Feuerschutzpolizei". Die noch wenigen verbliebenen Kameraden hatten es wärend der zahllosen Einsätze im 2. Weltkrieg nicht einfach. 1943 wurde aus dem SHD eine "Luftschutzpolizei".
Durch den Krieg gingen sämtliche Kraftfahrzeuge und nahezu alle Kraftspritzen und Gerätschaften der gesamten Feuerwehr Rheinhausen verloren, oder wurden mit dem Rückzug in alle Gebiete verstreut. Eine Freiwillige Feuerwehr bestand nicht mehr. Die Angehörigen der Feuerschutzpolizei kamen in Gefangenschaft und kehrten erst viel später einzeln oder in kleinen Gruppen zurück. Jedoch bestand bei einigen Leuten noch ein Interesse an der Freiwilligen Feuerwehr, so daß schon am 07.10.1945 die erste Gruppenversammlung nach dem Kriege, unter Leitung von Brandmeister Hermann Schneiders, abgehalten wurde.
Der Wiederaufbau einer funktionierenden Feuerwehr wurde jedoch durch die Besatzungsmächte geregelt.
Mit Löschhilfe, Geräten sowie Rat und Tat stand auch die Werkfeuerwehr der ehemaligen Friedrich-Alfred-Hütte zur Seite. Als erstes mußten im gesamten Bereich Rheinhausen die Löschbrunnen und Hydranten überprüft und Instandgesetzt werden. Der Dienst wurde zuerst nur in privater Kleidung abgehalten bis 1949 von den Besatzungsmächten englische Dienstuniformen zur Verfügung gestellt wurden.
1946 erhielt die Gruppe dann auch schon wieder ein Kraftfahrzeug, ein gebrauchtes Löschgruppenfahrzeug 8 (LF 8), daß die Kraftspritze noch in einem einachsigen Anhänger mitführen mußte. Doch schon im September 1950 war es soweit, die Wehr erhielt ihr erstes, nagelneues Fahrzeug!
Hierbei handelte es sich um ein 3,5 Tonner Magirus LF 8. Somit verfügte die Stadt Rheinhausen nunmehr über 4 Feuerwehrfahrzeuge. Das alte Fahrzeug wurde der Freiwilligen Feuerwehr Oestrum übergeben, die sich bis dahin mit Handkarren behelfen mußte.
Im Jahre 1957 erhielt man in Bergheim, inzwischen unter der Leitung von Brandmeister Johann Döntgen, eine neue, vollautomatisch arbeitende Pumpe TS 8.
In den folgenden Jahren wurde die Ausrüstung ebenso wie die Ausbildung kontinuierlich verbessert.
Ein häufiger Einsatzort war, bis zu deren Schließung, die Rheinhauser Müllkippe auf der es jedes Jahr unzählige kleinere und größere Brände gab! Ebenso wurden mehrmals im Jahr Großübungen mit der gesamten Feuerwehr Rheinhausens abgehalten. Durch die ständige Vergrößerung der Stadt mußte nun, in Stadtmitte, eine ständig besetzte Wache eingerichtet werden. Diese übernahm nun, auch in Bergheim, viele kleinere Brände und Hilfeleistungen.
Seit 1959 führte Jakob Döntgen die Löschgruppe, gefolgt von Heinrich Sassenrath und Hartmuth Scheelen.
1970 bekam dann auch der 4. Löschzug ein Fahrzeug vom Katastrophenschutz gestellt (Löschgruppenfahrzeug 16–TS). Dieses wurde jedoch aus Platzmangel in einer extra angemieteten Garage auf der Hochstraße untergestellt. Im Jahre 1973 kam dann, als Ersatz für das 23 Jahre LF 8, ein neues Mercedes Löschfahrzeug (auch ein LF 8). Dieser Wagen wurde später der Rheinhauser Jugendfeuerwehr übergeben (ca. 1980).
Zwischenzeitlich wurde Jürgen Strohmeier zum Gruppenführer, nach ihm Rolf Schürmann (heute noch Oberbrandmeister in Oestrum).
Eine große Veränderung kam mit der Kommunalen Neuordnung am 01. Januar 1975. Die vormals selbständige Stadt Rheinhausen wurde ebenso wie die Stadt Homberg und die Gemeinde Rumeln-Kaldenhausen der Stadt Duisburg als Stadtteile zugeordnet. Alle Löschgruppen der freiwilligen Feuerwehren sowie die hauptamtliche Feuerwehr Rheinhausen wurden der Berufsfeuerwehr Duisburg unterstellt.
Aus dem 4. Löschzug wurde nun die Löschgruppe 604 Duisburg-Bergheim (4. Löschgruppe im Löschbezirk 6 - Rheinhausen).
Dies hatte zur folge, daß fast alle kleineren und mittleren Einsatzfälle von der schlagkräftigen Berufsfeuerwehr übernommen wurden und sich die Einsätze der Bergheimer Freiwilligen Feuerwehr hauptsächlich auf Großschadensfälle beschränkte. 1980 wurde, mittlerweile unter dem Kommando von Gruppenführer Josef Rönchen, zwei Tanklöschfahrzeuge 8 (TLF 8) und ein Tanklöschfahrzeug 16 (TLF 16) in der beengten Unterkunft auf der Buchenstraße stationiert, weil die Garage auf der Hochstraße aufgegeben werden mußte (das LF 16-TS kam zur Löschgruppe Laar).
1989 erhielt man ein neues Iveco Löschgruppenfahrzeug 16-TS vom Katastrophenschutz zur Verfügung gestellt, daß leider wegen seiner Größe nicht in die veraltete Fahrzeughalle paßte. Dies war der Ausschlag dafür, daß Gerätehaus in vielen, vielen hundert Stunden Eigenarbeit umzubauen. Die Fahrzeughalle wurde tiefergelegt und ebenso wie der Gruppenraum gefließt, eine neue Toilette wurde eingebaut, die Wände wurden mit Alu-Blenden verkleidet und der Speicher wurde ausgebaut. Nun konnte das neue Fahrzeug in Empfang genommen werden. Ein Jahr später folgte ein Rüstwagen 1 (RW 1) auf einem MAN-VW Fahrgestell. Diese Fahrzeuge stehen bis heute, jederzeit einsatzbereit, an der Buchenstraße. Am 12.06.1992 wurde Oberbrandmeister Rönchen zum Löschzugführer Bergheim/Oestrum gewählt, an seine Stelle trat Brandmeister Peter Döntgen, der auch jetzt noch die Gruppenführung inne hat.
Heutzutage hat sich der "normale" Dienstablauf jedoch zu früheren Zeiten kaum geändert. Man trifft sich ein bis zweimal in der Woche um den Umgang mit den Feuerwehrgeräten zu üben, damit im Ernstfall nichts schiefgehen kann. Natürlich darf beim "Hobby Feuerwehr" auch die Kameradschaftspflege nicht zu kurz kommen.
Früher wie heute gehen wir noch immer mit dem gleichen Motto zum Dienst:
Gott zur Ehr,
dem nächsten zur Wehr.