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KreuzerMarine

Die Deutsche Marine

Partner des Schiffer-Berufskolleg RHEIN



Eng, dunkel und viel zu heiß

Binnenschiffer über im Ausbildungszentrum Schiffssicherung der Marine unter außergewöhnlichen Belastungen vom 24. bis zum 28. November 2008

Wenn in einem Wohnhaus ein Feuer ausbricht, werden die Bewohner schnell evakuiert. Gibt es keine andere Möglichkeit mehr, kann das Haus kontrolliert abbrennen. Beim Ausbruch von Feuer auf einem Binnenschiff können jedoch diese beiden Lösungen nicht in Erwägung gezogen werden. Auf einem Binnenschiff kommt hinzu, dass trotz eingeleiteter Löschmaßnahme der Schiffsbetrieb möglichst aufrecht erhalten bleiben muss. Für jeden Binnenschiffer an Bord keine einfache Aufgabe und gleichzeitig mit großen psychologischen Belastungen verbunden. Auf dem Wasser gilt es, die Flammen schnell unter Kontrolle zu bringen, bevor sich in den einzelnen Bereichen extrem hohe Temperaturen bilden. Eine Belüftung der einzelnen Bereiche ist nicht möglich, ohne andere durch Rauchentwicklung zu gefährden.

Jedes Besatzungsmitglied ist gefordert, möglichst schnell und richtig zu reagieren. Die richtigen Sofortmaßnahmen müssen ergriffen werden, damit der Brandherd erstickt und nicht auf andere Bereiche übergreifen können.

Eine spezielle Ausbildung für diesen Ernstfall gibt es nur im geringen Maße. So ist es während der Ausbildung zum Binnenschiffer/in am Schiffer-Berufskolleg RHEIN üblich, diese spezielle Ausbildung im Lehrplan mit den Schülern zu erörtern. Die Brandlehrer, der Einsatz von Rettungsmitteln und die Leckabwehr werden in Lernaufgaben mit den Schülern erörtert. Am eigenen Brandsimulator und der angrenzenden Schiffssektion können die Schüler, am Schiffer-Berufskolleg RHEIN diese Ausbildung für den Ernstfall über und trainieren.

Der Höhepunkt im 3. Ausbildungsjahr bildet dann eine entsprechende Ausbildung im Ausbildungszentrum Schiffssicherung der Marine in Neustadt in Holstein. So nahmen aus diesem Grund die Schüler und eine Schülerin der Oberstufe 233 mit ihrem Schulleiter, Hans-Günter Portmann, vom 24. 11. bis 28.11. 2008 wieder an so einer Ausbildung teil. Zwei Ausbilder der Marine, Stabsbootsmann Karsten Tebje und Hauptbootsmann Bert Schwob begrüßten die Binnenschiffer aus Duisburg bei der Marine. Sie hatten ein ausführliches Ausbildungsprogramm für die Woche vorbereitet um die Schutzmaßnahmen vor Ort zu trainieren.
Die Instruktoren haben für ihren Auftrag viele moderne, aber zum Teil auch eher rustikale Aus- bildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Alle haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind extrem fordernd. Neben einer Brandschutzhalle, die verschiedene Möglichkeiten bietet, den Umgang mit unterschied- lichen Löschmitteln zu trainieren, bietet die Ex-Köln, die ehemalige Fregatte Köln, realistische Trainingsmöglichkeiten. Sie wurde speziell für die Ausbildungsbelange in der Schadensabwehr umgebaut und auch mit einer modernen Filter- anlage versehen, um den Umweltschutzauflagen gerecht zu werden. Seitdem bricht auf der Köln regelmäßig Feuer aus oder Wasser ein.
Brandbekämfung
Brandbekämpfung in der Brandschutzhalle

Die engen Gänge und dunklen Maschinenräume flößen den Binnenschiffern Respekt ein und treiben den Teilnehmern Angstschweiß auf die Stirn. „Die Brände, die wir hier simulieren, sind relativ klein – es geht mehr um die psychologische Wirkung“, erläutert Stabsbootsmann Karsten Tebje. In den schmalen Gängen, den steilen Zugängen und der schnellen Hitze- und Rauchentwicklung in der ehemaligen Fregatte erleben die Binnenschiffer ein realitätsnahes Szenario. Die Lage auf der Übungseinheit lassen sich je nach Bedarf und Ausbildungsstand beliebig eskalieren. „Wir bringen die Verantwortlichen gelegentlich schon an den Rand ihrer Leistungsgrenze“, gibt Stabsbootsmann Tebje zu. Am Ende sind die Lagen aber alle zu bewältigen, wie er betont.

Nicht nur das Feuer auf der Ex-Köln oder in der Brandhalle forderte die Binnenschiffer, sondern auch das Wasser, dass durch verschiedene Leckstellen in die Räume einlief, verlangte volle Konzentration. Zuerst wurde im Torso, einer Schiffssektion in der Schule 1, das Abdichten der Leckstellen geübt. War das Wasser im Torso nach angenehm warm, so war die Aufgabe der Leckabwehr auf der Köln mit eiskaltem Ostseewasser erschwert. Mit Brettern, Balken und Kissen schafften es die Binnenschiffer, unter Anleitung der beiden Ausbilder, mit Geschick die Wassermassen zu stoppen und die Leckstellen abzudichten.

Rettungswesten
Anlegen der Rettungswesten
Wellenbad
Rettungsübungen im Wasser mit Wellengang

In der Schwimmhalle machten die Binnenschiffer Bekanntschaft mit dem Einsatz von Rettungsmitteln. Sie lernten den Umgang mit der Schwimmweste der Marine. Hier bestand das Problem, das bei Seegangbedingung der Überlebungsanzug, der in der Schwimmweste integriert ist, im Wasser angezogen werden musste. Das Besteigen der Rettungsinsel gehörte ebenso zum Programm, wie das Erklimmen der Station über ein vier Meter hohes Rettungsnetz. Darüber hinaus wurden noch typische Rettungswesten, die ihren Einsatz in der Binnenschifffahrt finden, angelegt, und im Wasser auf Funktion geprüft.

Neben diesen Ausbildungsinhalte mit Übungen in der Brandabwehr, Leckabwehr und Einsatz von Rettungsmittel, kam noch die Ausbildung Erste Hilfe dazu. Oberstabsbootsmann Bernhard Genendsch zeigt sehr anschaulich welche Möglichkeiten jeder Einzelnen im Rahmen der Ersten Hilfe hat.

Die Woche bei der Marine verlief für die Binnenschiffer wie im Flug. Mit vielen neuen Eindrücken und neuen Erkenntnissen verabschiedeten sich die Binnenschiffer/innen vom Schiffer-Berufskolleg RHEIN.


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