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KreuzerMarine

Die Deutsche Marine

Partner des Schiffer-Berufskolleg RHEIN



Nachhaltige Erfahrung

Fortbildungsveranstaltung des Lehrerkollegiums in Neustadt 2007


Fortbildung hat am Schiffer-Berufskolleg eine lange Tradition. In diesem Jahr nutzte das Kollegium die letzte Woche der Sommerferien für eine Fortbildung zum Ausbildungszentrum Schiffssicherung der Marine in Neustadt an der der Ostsee. Von den Eindrücken und vielen wertvollen Informationen werden vor allem die Schülerinnen und Schüler am Schiffer-Berufskolleg profitieren.

Am Sonntag, den 19. August 2007, begann die Reise. Wegen zu erwartender Staus sogar bereits am frühen Morgen.

Am frühen Abend konnte der Schulleiter des Schiffer-Berufskollegs RHEIN (SBKR) dann sieben Lehrerinnen und Lehrer in Neustadt begrüßen.

Als Unterkunft diente das Offiziersheim des Marine-Standortes, das für jeden einen wundervollen Seeblick bereithielt.
Das Kollegium

Zum gemeinsamen Frühstück informierte Fregattenkapitän Klaus-Peter Fuchs, der Leiter der Seeausbildung, das Kollegium über die Aufgaben der Marine sowie die Seeausbildung am Standpunkt Neustadt. Dort werden alle Marineschiffe in regelmäßigen Abständen geprüft. Dabei handelt es sich weniger um eine technische Prüfung von Aggregaten als viel mehr um die Funktionsfähigkeit der Mannschaft und des Schiffes. Zwei Wochen lang werden Führungscrew und Verantwortliche ausgebildet und anschließend diversen Prüfungssituationen ausgesetzt.

Kapitän Fuchs leitet ein Team von rund fünfzig Mitarbeitern, die dann an Bord der jeweiligen Schiffe beispielsweise Brand- oder Lecksituationen simulieren und die Reaktion der Crew überprüfen.

Übung unter realen Bedingungen


Am Nachmittag zeigte Fuchs dann die diversen technischen Einrichtungen der Marineschule. Zu den Besonderheiten zählen sicher der 30 Meter hohe Tauchturm, ein Wellenbad, eine große Brandhalle sowie die ehemalige Fregatte Köln.

Im in der Nato einmaligen Tauchturm wird beispielsweise der Not-Ausstieg aus einem U-Boot geübt.
Das Wellenbad dient der Übung mit Schwimmweste, Überlebensanzug sowie dem Einstieg in ein Rettungsfloß im Seegang.

Die Brandhalle entspricht allen Umweltschutzauflagen, beispielsweise Rauchgasreinigung. Hier können verschiedene Brandsituationen, beispielsweise ein brennender Schaltschrank oder ein Helikopter gelöscht werden.

Fregatte Köln
Zur möglichst realitätsnahen Übung steht am Kai die ehemalige Fregatte Köln zur Verfügung.
Wenn hier ein Feuer im Maschinenraum gelegt wird, dann kommen die besondere Enge, steile Treppen und eine ungeheure Wärmeentwicklung erschwerend für die Löschteams hinzu.

Sicherheitshalber stehen immer genügend Ausbilder in voller Feuerlöschmontur bereit, wenn es brenzlig wird. Schließlich werden hier echte Feuer gelegt.

Aber auch zur Leckabwehr gibt es Löcher in der Außenhaut, die hier – leider anders als auf realen Schiffen – mittels Schieber geöffnet und wieder verschlossen werden können, wenn die Leckabwehr noch nicht funktioniert.

Geübt werden kann die Leckabwehr zuvor an einem Schiffstorso, bei dem das Wasser Raumtemperatur hat. Bei der Ex-Köln hat das Wasser Ostsee-Temperatur. Geübt wird dort Sommer wie Winter.

Der Einsatz der Atemschutzgeräte kann ebenfalls in speziellen Trainingsräumen (auch liebevoll Folterkammer genannt) geübt werden.

Die Anlagen des Ausbildungszentrum sind ganzjährig ausgenutzt. Neben der Marine üben auch Feuerwehren und Bundesgrenzschutz hier. Spezielle Lehrgänge werden für Segler angeboten. Diese interessieren sich besonders für das Überleben auf See mittels Rettungsweste und Rettungsfloß.

“Feuer gelöscht”


Am folgenden Dienstag standen dann auch praktische Versuche in der Brandbekämpfung sowie mit den Rettungsmitteln für das Kollegium auf dem Programm. Begleitet wurde das Kollegium von Oberleutnant der Reserve, Erich Zöllner. Herr Zöllner ist Leiter der Feuerwehr am Marinestütz- punkt Wilhelmshaven.

Die Ausbilder steckten zunächst alle Teilnehmer in flammhemmende Arbeitsanzüge, Atemschutz- maske, Haube und Helm. Dann wurde in der Brandhalle ein Flüssigkeitsbrand von allen Teil- nehmern mit CO2-Löschern erfolgreich bekämpft.
Brandbekämpfung

Auch wenn die theoretischen Abläufe bekannt waren, so waren die enorme Wärmeentwicklung sowie die „Gegenwehr“ des Feuers bei kleinsten Handhabungsfehlern für alle Teilnehmer überraschend. Am Beispiel eines Holz-Feuers wurde der Einsatz verschiedener Löscher demonstriert. Letztlich wurde das Feuer mit einem ABC-Pulverlöschmittel bekämpft. Dies legt sich wie ein Schmelzfilm auf die brennenden Teile. Im Innern glüht es jedoch noch sehr lange weiter. Das Feuer brach sogar nach einiger Zeit erneut aus, als der Schutzfilm aufbrach.

Die nächste Station war dann ein brennender Schaltschrank. Dieser sollte mit einem 12-kg-Pulver- löscher bekämpft werden. Wie schwer und unhandlich solch ein Löscher ist merkt man erst, wenn man gleichzeitig den Löscher heben und löschen muss. Vorgeführt wurde auch, welche Gefahr von einem solchen Löscher ausgeht, wenn der Auslöser betätigt wird ohne den Handgriff fest zu halten. Eine eindrucksvolle Rauchwolke in Form einer Lissajous-Kurve hüllte den Ausbilder kurzzeitig ein.

Die letzte Station in der Brandhalle war ein brennender Helikopter. Zunächst hat ein Trupp es auf einfache Weise mit dem Wasserschlauch versucht. Der Effekt, dass das Feuer eher hin und her geschubst wird war deutlich erkennbar. Nach einer sehr langen Zeit gelang es dann doch, das Feuer zu löschen. Die gleiche Situation wurde danach mit einer Emulsion aus Wasser und einem Schwer- schaummittel, wie es auch die Feuerwehren einsetzen, wiederholt. Das Feuer ließ sich nun relativ leicht beherrschen.

Für alle Feuer wiederholte der Ausbilder dann noch einmal dass es am wichtigsten ist, möglichst schnell zu agieren. Je länger das Feuer brennt, desto mehr Wärme entsteht, die es eventuell unmöglich macht, ein Feuer später noch zu löschen.

Überleben auf See


Wellenbad
Nach der Hitze in der Brandhalle freuten sich alle auf den Einsatz im Schwimmbad. Der Abkühlungsgedanke verflog jedoch schnell, als in der Halle ein tropisches Klima mit feuchter Luft bei ca. 35 °C herrschte. Auch die Wassertemperatur war so hoch. Die Ausbilder erläuterten, dass dies der Fall sei, weil Taucher zum Teil sehr lange Übungen im Becken durchführen würden. Ein zu schnelles Auskühlen würde so verhindert. Für das Kollegium bedeutete dies die doppelte Belastung.

Zunächst wurden Jacke und Hose von der Bundeswehr gestellt, damit das Schwimmen mit Bekleidung möglichst echt wirkt. Darüber wurde dann möglichst stramm eine Rettungsweste, wie sie derzeit bei der Marine Standard ist, angezogen. Die Ausbilder erläuterten die Funktionen der Weste, die auch einen Überlebensanzug enthält. Zuerst sollte aus vier Metern Höhe eine Strickleiter herunter geklettert werden, hinein in das im Wellengang schwimmende Rettungsfloß. Anschließend wurde das Rettungsfloß von einem Ausbilder an einer Leine in die Beckenmitte gezogen. Für wenige Minuten wurde so der Zustand auf See nachgeahmt – abgesehen von den tropischen Temperaturen. Anschließend kletterten die „geretteten“ noch trockenen Fußes aus der Insel an Land. Im nächsten Notfall konnte das Rettungsfloß nicht an das „Schiff“ gebracht werden.

Die Teilnehmer mussten nun aus vier Metern Höhe ins Wasser springen. Daraufhin löste die Weste aus und zog die Teilnehmer sicher an die Wasseroberfläche. Der Körper wurde automatisch so gedreht, dass der Kopf in der Rückenlage nicht ins Wasser kommen konnte. Jetzt musste – wegen der aufgeblasenen Weste ohne Sicht auf Arme und Beine – der Überlebensanzug angezogen werden. Keine leichte Sache. Als nächstes sollten die Teilnehmer gemeinsam einen Kreis bilden. Diese Formationen sind vom Hubschrauber aus leichter erkennbar. Nun rief der Ausbilder, dass ein Schiff in der Nähe sei und dieses per Strickleiter erklommen werden könne. Das jedoch ist mit jeder Menge Wasser im Anzug und bereits sehr angespannten Muskeln eine echte Aufgabe.

Oben angekommen hieß es: „Das Schiff sinkt!“. Also wieder in die Tiefe gesprungen und zum Rettungsfloß geschwommen. Zwar hält das Floß eine Einstiegshilfe bereit, doch ist auch der Einstieg aus dem bewegten Wasser eine Aufgabe. Danach waren alle Teilnehmer um eine Erfahrung reicher. Wenn es zum Ernstfall kommt, dann sollten Rettungsweste und vor allem Rettungsfloß die letzten Maßnahmen sein.

Informatives Besuchsprogramm


Für den Nachmittag stand der Besuch der Fregatte Rheinland-Pfalz auf dem Programm. Diese befand sich aktuell im Überprüfungsverfahren durch Kapitän Fuchs und seine Leute. Mit einem V-Boot (Verbindungsboot) werden die Prüfer täglich zur in der Ostsee kreuzenden Fregatte gefahren, da die großen Schiffe nicht in Neustadt anlegen können.

Für eine Beeindruckende Kulisse in Neustadt sorgten immer wieder große Segelboote wie beispielsweise ein australischer Segler, der an nur einem Mast die eineinhalbfache Segelfläche wie das Segelschulschiff Gorch Fock befestigt.

Am Mittwoch stand dann Gewässerkunde auf dem Programm. Mit dem Auto ging es zunächst nach Travemünde. Von dort aus dann weiter mit dem Schiff zur Hansestadt Lübeck. Hierher fahren über den Elbe-Trave-Kanal des öfteren Schülerinnen und Schüler des Schiffer-Berufskollegs. Natürlich durfte in Lübeck ein Besuch der Kirche St. Jakobi nicht fehlen. Hier liegen die Reste eines Rettungsbootes der Pamir. Bei dem Untergang der Pamir waren fünf Seeleute daraus nach Tagen der Suche noch lebend geborgen worden.
Gummistiefel

Für den Donnerstag hatte Herr Portmann eine Führung auf dem Gelände der Schiffswerft HDW in Kiel geplant. Mehrere Stunden führte uns Herr Frauenholz über das Gelände und beantwortete alle Fragen. Bei dem anschließenden Abstecher nach Laboe konnten diverse Schiffstypen bei der Ein- und Ausfahrt beobachten. Nach einem Frühstück mit den Offizieren des Ausbildungszentrums der Marine ging es dann am Freitag wieder zurück ins Ruhrgebiet.

Eins ist jetzt schon klar: Den Einladungen von Fregattenkapitän Fuchs und Erich Zöllner will das Kollegium gern folgen. Zum Einen um ganz praktisch die Brandabwehr zu vertiefen und die Leckabwehr zu üben. Zum Anderen um mehr über die Brandbekämpfung bei Schiffen zu erfahren. Gewinner sind auf jeden Fall die Schülerinnen und Schüler, die direkt von den vielen wertvollen Erfahrungen profitieren werden.


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