
Artikel vom 09. November 1999Schiffer-Berufskolleg RHEIN
Frauen und Männer sitzen in drei kleinen Kabinen und hantieren an Knöpfen und Hebeln und sprechen über Mikrophonen in einer unverständlichen Fachsprache mit Unsichtbaren. Alle Kabinen führen in einen größeren Raum, in dem allen Bildschirme der Kabinen sichtbar sind. Der Leitstand eines Raumschiffes?
Falsch getippt, wir befinden uns in der Radarsimulationsanlage, eine originalgetreue Nachbildung eines Führerstandes auf einem Rheinschiff. Am 9.11.1999 hatte das „Schiffer Berufskolleg Rhein“ in Duisburg-Homberg zur Besichtigung und zum anschließenden Festakt zum 50-jährigem Bestehen eingeladen.

Am 5. September l949 wurde der Unterricht in der neu gegründeten Schifferberufsschule RHEIN (heute Schiffer-Berufskolleg RHEIN genannt) im Schulgebäude an der Rheinstraße mit einem Festakt eröffnet. Mit dieser Neugründung, so der heutige Schulleiter Hans-Günter Portmann; wurde eine lange Tradition der Schulung des Binnenschiffernachwuches in der Region Duisburg fortgesetzt, die mit der Gründung der Stromschifferschule 1892 in Ruhrort begonnen hatte. So war bereits 1892 die Stromschifferberufsschule in Ruhrort gegründet worden. Nach mehreren Umzügen und Erweiterungen kam die Schifferberufsschule im frei werdenden Gebäude der ehemaligen Gemeinschaftshauptschule am Bürgermeister-Wendel-Platz unter. Nach vierjähriger Planungs- und Bauzeit zog die Schifferberufsschule im Juni 1989 in das umgebaute Gebäude mit einer zusätzlich errichteten Maschinenhalle. Damit waren die Grundlagen für die nächsten Jahrzehnte mit zeitgemäßen Einrichtungen geschaffen.

1999 Schiffer-Berufskolleg RHEIN

1999 Europäische Sicherheitszentrum Duisburg (ESD)
Die mit großem persönlichen Einsatz der Lehrer erstellten Lehrmittel erfuhren fortlaufend eine Modernisierung und zeitgemäße Ergänzung. Am 14. Januar 1992 fand die Einweihung einer Radarsimulationsanlage statt. Sie hatte ca. 2,5 Millionen DM gekostet und dient dazu, das Fahren mit Radar auf rund 200 detailgetreu nachgebildeten Rheinkilometern zu trainieren. Diese Anlage wird nicht nur von den Schülerinnen und Schülern benutzt, sondern auch in der Erwachsenenbildung eingesetzt. Ebenfalls in der Erst- und Erwachsenenbildung eingesetzt wird das Europäische Sicherheitszentrum Duisburg (ESD). Dabei handelt es sich um eine Einrichtung, auf der realitätsnah Verhaltensweisen in gefährlichen Situationen geübt werden können. Sie wurde in Zusammenarbeit mit den Lehrern des Schiffer-Berufskollegs, Mitarbeitern aus Duisburger Schifffahrtsunternehmen, dem „Arbeitsgeberverband der deutschen Binnenschifffahrt“ und der „Binnenschifffahrts-Berufsgenossenschaft“ unter der Federführung des „Europäischen Binnenschifffahrtzentrums Duisburg (ESD)“ entwickelt und im Oktober 1993 feierlich eingeweiht. In naher Zukunft ist die Erweiterung um eine Brandsimulationsanlage geplant.
Zeitgleich mit dem Beginn des Unterrichts an der neuen Schiffer-Berufsschule am 5. September 1949, wurde das Schulschiff RHEIN in Dienst gestellt. Damit wurde die Forderung der Kultusminister nach einer angemessenen Unterbringung und Betreuung der Schüler erfüllt. Im August 1984 wurde das neue, wesentliche größere „Schulschiff RHEIN“ eingeweiht, das der „Arbeitgeberverband der deutschen Binnenschifffahrt“ eigens für die Unterbringung der Schiffsjungen und als zentrale Fortbildungs- und Tagungsstätte für 5 Millionen Mark hatte bauen lassen. In Deutschland wurde das Schulschiff durch die Fernsehserie „MS Fransiska“ bekannt.
Die guten Kontakte des Schiffer-Berufskollegs RHEIN zu den Schifferschulen der Nachbarländer Belgien, Frankreich und der Niederlande konnten in den EU-Projekten PETRA und LEONARDO DA VINCI vertieft werden. Das noch laufende Projekt LEONARDO steht unter dem Motto: "Transportlogistik- eine europäische Aufgabe". Es bietet die Gelegenheit, ebenso wie das vorangegangene „PETRA-Projekt“, Kenntnisse über und Erfahrungen in der Berufsausbildung der jeweiligen Mitgliedsländer zu sammeln und in Teilbereichen der Ausbildung ein gemeinsames Niveau zu erreichen.
Die positive Entwicklung der Schülerzahlen in den letzten beiden Jahren – z.T. auch durch die Aufnahme von Auszubildenden aus der Schweiz, die großzügige Ausstattung der Schule mit modernen PC durch die Stadt Duisburg zu Beginn des Jahres, die Verlagerung des Bildungsganges Boots- und Schiffbauer an das Schiffer-Berufskolleg sind Indizien nicht nur für die Sicherung sondern auch für die Weiterentwicklung des Standortes, so dass es für die Schifferberufsschule begründeten Anlass gibt, optimistisch in die Zukunft zu schauen.
