Kurzinformation:
Fläche: 12190 km2 Einwohner: (2000) 190000
Hauptstadt: Port Vila (auf Efate)
Verwaltungsgliederung: sechs Provinzen
Amtssprachen: Bislama, Englisch und Französisch
Nationalfeiertag: 30.7.
Währung: Vatu (VT)
Zeitzone: MEZ +10 Stunden
Staat im südwestlichen Pazifik, westlich von Fidschi, umfasst die Inseln der Neuen Hebriden. Karte
(amtlich Bislama Ripablik blong Vanuatu, englisch Republic of Vanuatu, französisch République de Vanuatu),
Staat und Recht: Nach der Verfassung von 1980 (mit Änderungen) ist Vanuatu eine parlamentarische Republik im Commonwealth. Staatsoberhaupt ist der Präsident (auf 5 Jahre indirekt gewählt, v.a. repräsentative Funktionen). Die Legislative liegt beim Einkammerparlament (52 Abgeordnete, auf 4 Jahre gewählt), die Exekutive bei der Regierung unter Vorsitz des Ministerpräsidenten. Der Nationalrat der Häuptlinge hat beratende Funktion.
Parteien: Vanuaaku Partei (VAP), Union der gemäßigten Parteien (UMP), National Vereinigte Partei (NUP).
Landesnatur: Die Neuen Hebriden erstrecken sich als zwei Inselketten von 12 Haupt- und 70 Nebeninseln über rund 800 km in nordwest-südöstlicher Richtung. Dazu gehören die Banks- und Torresinseln im Nordwesten. Größte Inseln sind Espiritu Santo mit der höchsten Erhebung von Vanuatu (1879m über dem Meeresspiegel), Malekula, Erromanga, Efate. Die meisten Inseln sind vulkanischen Ursprungs; Ambrym, Tanna und Lopevi haben aktive Vulkane. Es herrscht tropisches Klima mit höheren Niederschlägen im Norden als im Süden; auf den nördlichen Inseln tropischer Regenwald, auf den südlichen Trockenwälder und Savannen.
Bevölkerung: Über 90% der Bevölkerung sind Melanesier (mit mehr als 100 Sprachen und Dialekten), daneben Polynesier, Mikronesier, Europäer, Chinesen u.a. Größte Städte sind Port Vila (auf Efate) und Luganville (auf Espiritu Santo). Über 76% der Bevölkerung sind Christen (überwiegend Protestanten und Anglikaner); daneben Anhänger von Cargo-Kulten (v.a. auf Tanna).
Es besteht keine allgemeine Schulpflicht. Die Analphabetenquote beträgt 47,1%.
Wirtschaft und Verkehr: Hauptwirtschaftszweig ist die Landwirtschaft, die über 50% der Erwerbstätigen beschäftigt. Kokosnüsse, Kakao und Kaffee werden v.a. für den Export in Plantagen erzeugt. Für den Eigenbedarf werden v.a. Süßkartoffeln, Taro, Maniok, Gemüse und Bananen angebaut; daneben Rinder-, Schweine- und Schafhaltung. Von Bedeutung sind auch Fischfang, Holznutzung und der Fremdenverkehr. In Kleinbetrieben Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Haupthandelspartner sind Australien, Japan und die Niederlande. Auf den Inseln gibt es 1130 km Straßen. Seehäfen sind Port Vila und Luganville; internationale Flughäfen auf den Inseln Efate und Espiritu Santo.
Geschichte: Die vor mehr als 3000 Jahren von Melanesiern teilweise besiedelten Inseln wurden 1606 von dem in spanischen Diensten stehenden portugiesischen Seefahrer Pedro Fernández de Quirós entdeckt (1768 Wiederentdeckung durch den Franzosen L.A. de Bougainville) und erhielten 1774 von J.Cook den Namen Neue Hebriden. Seit der 1.Hälfte des 19.Jahrhunderts wanderten Europäer ein (christliche Missionierung, beginnender Sandelholzeinschlag). Nach kolonialpolitischen Rivalitäten schlossen Großbritannien und Frankreich 1887 einen Vertrag über die gemeinsame Verwaltung der Inseln (seit 1906 Kondominium). Träger der Unabhängigkeitsbewegung wurde die 1972 gegründete VAP. 1977 erlangten die Neuen Hebriden innere Autonomie. Nach dem Wahlsieg der VAP (1979) kam es 1980 zu einem erfolglosen (v.a. von Siedlern französischer Herkunft ausgegangenen) Sezessionsversuch der Insel Espiritu Santo. Am 30.7. 1980 wurden die Neuen Hebriden als Vanuatu (»das Land, das sich aus dem Meer erhebt«) eine unabhängige Republik innerhalb des Commonwealth; am 15.9. 1981 erfolgte die Aufnahme in die UNO. Erster Staatspräsident von Vanuatu war A.G. Kalkoa, der sich nach seiner Wahl, einer melanesischen Sitte folgend, Sokomanu (»Führer von Tausenden«) nannte. Der langjährige Ministerpräsident (1979-91) und Vorsitzende der VAP (1972-91) W.H. Lini, ein anglikanischer Pfarrer, vertrat das Programm eines »melanesischen Sozialismus«. Im April 1983 erklärte sich Vanuatu per Gesetz zur atomwaffenfreien Zone. Mit Papua-Neuguinea und den Salomoninseln schloss Vanuatu im März 1988 ein Abkommen über Grundsätze einer engeren Zusammenarbeit (Bildung der »Melanesischen Speerspitzen-Gruppe« mit einer panmelanesischen Zielsetzung). Machtkämpfe innerhalb der VAP führten im Januar 1989 zur Amtsenthebung von Präsident Sokomanu, dessen Nachfolger F.Timakata wurde. Im September 1991 wurde Ministerpräsident Lini durch D.Kalpokas (seit August 1991 Vorsitzender der VAP) als Regierungschef abgelöst. Die Parlamentswahlen im Dezember 1991 und November 1996 gewann die UMP, die mit M.Carlot Korman den Ministerpräsidenten stellte. Durch eine Neugliederung der regionalen Verwaltung im September 1994 löste man die Regionalräte auf und ersetzte sie durch sechs Provinzregierungen. 1994 wurde der zur frankophonen Bev.-Gruppe gehörende UMP-Politiker Jean-Marie Leyé zum Staatspräs. gewählt; ihm folgte 1999 John Bernard Bani. Nach Serge Vohor (UMP; Reg.-Chef 1995-96 und 1996-98) übernahm 1998 erneut Kalpokas das Amt des Premierministers.
(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001
Die Seite wurde zuletzt am