|
Hochschul-
und Berufsorientierung in der Sekundarstufe II
In
der Sekundarstufe II geht es um die Fortsetzung und intensive Erweiterung
des bereits in der Sekundarstufe I einsetzenden Konzeptes zur Berufswahlorientierung,
das sich schwerpunktmäßig auf das zweiwöchige berufsorientierende
Praktikum in der 9. Jahrgangsstufe bezieht.
Wir fassen es als unsere schulische Aufgabe auf, die Schülerinnen
und Schüler rechtzeitig auf den Berufswahlentscheidungsprozess einzustimmen,
um die fraglos schwierigen Übergangsbedingungen in Studium und Beruf
zu erleichtern. Dafür ist es notwendig, während der Schulzeit
und über den Unterricht hinaus Einblicke in universitäres Lernen,
Informationen über Veränderungen von Studiengängen und
-richtungen, das bessere Kennenlernen der Berufs- und Arbeitswelt mit
ihren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Zusammenhängen
und Wandlungsprozessen zu fördern. Folgende Fragen sind dabei leitend:
Was kann ich? (Qualifikationen, Neigungen) - Was will ich? (Interessen,
Wunschbilder, Selbstverständnis) - Welche Möglichkeiten und
Wege gibt es? (Informationen zu Studium, Beruf- und Arbeitswelt) - Was
bedeutet für mich grundsätzlich Studium, Beruf- und Arbeitswelt
und wie sieht ihre Bedeutung in diesem Gesellschaftssystem aus?
Die Auseinandersetzung und Reflexion ist dann nicht nur Aufgabe der Schülerin/
jeden Schülers, sondern auch Aufgabe in allen Unterrichtsfächern.
Die unterschiedlichen Erfahrungen und Informationen, die wir den Schülerinnen
und Schülern anbieten, versuchen die Sicht auf die Berufs- und Studienwahl
offen anzulegen und mögliche Alternativen aufzuzeigen, um so die
Entscheidungen für den Einzelnen begründbar zu machen.
Durch folgende Maßnahmen soll dies erreicht werden:
 1. In
der Jahrgangsstufe 11 findet zu Anfang des 2. Halbjahres ein
ganztägiger Informationstag an der Universität
Duisburg statt, der eine erste Orientierung auf ein mögliches
späteres Studium leisten soll. Der Erziehungswissenschaftler und
Prorektor Prof. Dr. Habel und Frau Christoph vom Akademischen Zentrum
für Studien und Beruf (AKZENT) geben hier eine Einführung in
Studium und Fachrichtungen generell und speziell an der Universität
Duisburg. Anschließend werden dann unter Beteiligung weiterer Dozenten
aus den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften,
den Inginieurwissenschaften, den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften
in kleinen Arbeitskreisen fachbereichsspezifische Einführungen geleistet
und Fragen der Schülerinnen und Schüler beantwortet. Den Abschluss
bildet eine gemeinsame Auswertung aller Beteiligten. Die gesamte Jahrgangsstufe
nimmt an diesem Tag teil und jede Schülerin/ jeder Schüler erhält
die Gelegenheit, zwei unterschiedliche Fachbereiche kennenzulernen. Diese
erste Hochschulorientierung fällt in eine Zeit, in der die Schülerinnen/
die Schüler vor der Wahl ihrer Leistungskurse stehen, sodass diese
Informationen über Studium und Fachrichtungen auch als wichtige Hilfestellung
gesehen werden sollen.
2.
In der 12. Jahrgangsstufe findet dann Ende Januar das zweichwöchige
berufliche Praktikum statt. Die Schülerinnen und Schüler müssen
sich rechtzeitig und selbstständig um eine Praktikumsstelle bemühen
und werden durch frühzeitige Informationen der Schule darauf vorbereitet.
Die
Betreuung erfolgt durch die Betriebe vor Ort und durch die Kurslehrerinnen
und -lehrer. Diese nehmen dann auch den Praktikumsbericht der Schülerinnen
und Schüler entgegen, der dann in den Notenbereich "Sonstige
Mitarbeit" (Inhalt und Form der schriftlichen Ausarbeitung und Präsentation)
einfließt. Dieser Bericht muss eine individuelle Reflexion über
die Praktikumszeit und eine Ausarbeitung eines Schwerpunktthemas enthalten,
das vor Ort von der Schülerin/ dem Schüler bestimmt wird und
sich z.B. auf folgende Bereiche beziehen kann: Produktionsabläufe,
nationale wie internationale Geschäftsbeziehungen, neue Technologien,
Fremdsprachenkenntnisse, Kommunikationsstrukturen, soziale Hierarchien
(insgesamt vier Seiten). Diese Bearbeitung kann auch für die in 12/2
anstelle der 1. Klausur zu schreibende Facharbeit ausgebaut werden.
Eingebunden
ist dieses Praktikum in die Vor- und Nachbereitung im Unterricht und durch
eine allgemeine wie individuelle Beratung durch das Berufsinformationszen
trum (BIZ) in der Schule.
3. In
der 13. Jahrgangsstufe findet im 1. Halbjahr eine wesentliche
Intensivierung der schon in der 11. Jahrgangsstufe begonnenen Hochschulorientierung
statt. In einem Einführungstag geben Herr Prof. Habel und Frau Christoph
grundlegende Informationen über ein Studium allgemein und speziell
an der Duisburger Universität. Gespräche mit Studierenden unterschiedlicher
Fachschaften und eine Führung durch die Universität runden den
Tag ab. Eine
Woche später, und dies ist das Besondere an dieser Hochschulorientierung,
ist der Besuch von einführenden Veranstaltungen (Vorlesungen, Übungen,
Proseminaren) geplant, die über einen Zeitraum von zwei Wochen verpflichtend
und kontinuierlich besucht werden müssen. Hierzu müssen die
Schülerinnen und Schüler in freier Wahl aus einem ihnen vorgelegten
Angebot vier verschiedene Veranstaltungen aus den Bereichen Wirtschaft,
Physik, Chemie, Mathematik, Germanistik, Anglistik, Pädagogik, Psychologie,
Geschichte, Sozialwissenschaften, Romanistik, Ostasienwissenschaft, Medienkommunikation,
Informatik und Philosophie aussuchen. Die
Schülerinnen und Schüler werden für diese Zeit zwei Tage
in der Woche vom Unterricht freigestellt und besuchen pro Tag zwei Veranstaltungen,
haben so also insgesamt achtTermine an der Universität während
der zwei Wochen. Die zeitliche Kontinuität soll dem Ziel dienen,
einen intensiveren Einblick in universitäres Lernen zu vermitteln,
um so eine fundierte Entscheidung für ein angestrebtes Studium vorbereiten
zu helfen. Dies ist gerade auch vor dem Hintergrund wichtig, da jeder
dritte (!) Studierende in Deutschland das Studium abbricht. Die Betreuung
übernehmen die jeweiligen Dozentinnen und Dozenten. Auch für
diejenigen, die nicht studieren wollen, ergibt sich ein praktischer Nutzen,
da Vergleiche zwischen dem Lernen an Universität und Schule inhaltlich
wie methodisch gezogen werden können. Dazu müssen alle Schülerinnen
und Schüler einen durch die Schule vorbereiteten Protokollbogen ausfüllen.
Die Auswertung (Evaluation) findet unter universitärer Beteiligung
im Rahmen einer Abschlussveranstaltung am Clauberg-Gymnasium statt.
Der
Initiative von Prof. Habel ist es zu verdanken, dass diese intensive Kooperation
zwischen dem Clauberg-Gymnasium und der Gerhard-Mercator-Universität
Duisburg zustande gekommen und so ein wichtiger Schritt in Richtung
Schulöffnung getan worden ist, den die Schule seit 1976 geht. Auch
Frau Christoph von AKZENT muss für die gute Zusammenarbeit gedankt
werden.
Mit diesen Maßnahmen will das Clauberg-Gymnasium für seine
Schülerinnen und Schüler eine möglichst umfassende Orientierung
und Vorbereitung für die Zeit nach dem Abitur leisten.
Wolfgang Kastrup
Weitere
Infos
|