Hochschul- und Berufsorientierung in der Sekundarstufe II

Die Jahrgangsstufe 11 im Schuljahr 2000/2001 vor dem Audimax der Mercator-Universität DuisburgIn der Sekundarstufe II geht es um die Fortsetzung und intensive Erweiterung des bereits in der Sekundarstufe I einsetzenden Konzeptes zur Berufswahlorientierung, das sich schwerpunktmäßig auf das zweiwöchige berufsorientierende Praktikum in der 9. Jahrgangsstufe bezieht.

Wir fassen es als unsere schulische Aufgabe auf, die Schülerinnen und Schüler rechtzeitig auf den Berufswahlentscheidungsprozess einzustimmen, um die fraglos schwierigen Übergangsbedingungen in Studium und Beruf zu erleichtern. Dafür ist es notwendig, während der Schulzeit und über den Unterricht hinaus Einblicke in universitäres Lernen, Informationen über Veränderungen von Studiengängen und -richtungen, das bessere Kennenlernen der Berufs- und Arbeitswelt mit ihren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Zusammenhängen und Wandlungsprozessen zu fördern. Folgende Fragen sind dabei leitend: Was kann ich? (Qualifikationen, Neigungen) - Was will ich? (Interessen, Wunschbilder, Selbstverständnis) - Welche Möglichkeiten und Wege gibt es? (Informationen zu Studium, Beruf- und Arbeitswelt) - Was bedeutet für mich grundsätzlich Studium, Beruf- und Arbeitswelt und wie sieht ihre Bedeutung in diesem Gesellschaftssystem aus?

Die Auseinandersetzung und Reflexion ist dann nicht nur Aufgabe der Schülerin/ jeden Schülers, sondern auch Aufgabe in allen Unterrichtsfächern. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Informationen, die wir den Schülerinnen und Schülern anbieten, versuchen die Sicht auf die Berufs- und Studienwahl offen anzulegen und mögliche Alternativen aufzuzeigen, um so die Entscheidungen für den Einzelnen begründbar zu machen.

Durch folgende Maßnahmen soll dies erreicht werden:

Vortrag Frau Christoph (AkZent) zur allgemeinen StudiensituationVortrag des Dekan Prof. Habel zu den allgemeinen Studienmöglichkeiten in Deutschland und an der Mercator-Universität Duisburg1. In der Jahrgangsstufe 11 findet zu Anfang des 2. Halbjahres ein ganztägiger Informationstag an der Universität Duisburg statt, der eine erste Orientierung auf ein mögliches späteres Studium leisten soll. Der Erziehungswissenschaftler und Prorektor Prof. Dr. Habel und Frau Christoph vom Akademischen Zentrum für Studien und Beruf (AKZENT) geben hier eine Einführung in Studium und Fachrichtungen generell und speziell an der Universität Duisburg. Anschließend werden dann unter Beteiligung weiterer Dozenten aus den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften, den Inginieurwissenschaften, den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften in kleinen Arbeitskreisen fachbereichsspezifische Einführungen geleistet und Fragen der Schülerinnen und Schüler beantwortet. Den Abschluss bildet eine gemeinsame Auswertung aller Beteiligten. Die gesamte Jahrgangsstufe nimmt an diesem Tag teil und jede Schülerin/ jeder Schüler erhält die Gelegenheit, zwei unterschiedliche Fachbereiche kennenzulernen. Diese erste Hochschulorientierung fällt in eine Zeit, in der die Schülerinnen/ die Schüler vor der Wahl ihrer Leistungskurse stehen, sodass diese Informationen über Studium und Fachrichtungen auch als wichtige Hilfestellung gesehen werden sollen.

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät (Frau Dr. Köhler-Braun)2. In der 12. Jahrgangsstufe findet dann Ende Januar das zweichwöchige berufliche Praktikum statt. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich rechtzeitig und selbstständig um eine Praktikumsstelle bemühen und werden durch frühzeitige Informationen der Schule darauf vorbereitet. Ingenieurwissenschaftliche Fakultät (Herr Prof. Maier)Die Betreuung erfolgt durch die Betriebe vor Ort und durch die Kurslehrerinnen und -lehrer. Diese nehmen dann auch den Praktikumsbericht der Schülerinnen und Schüler entgegen, der dann in den Notenbereich "Sonstige Mitarbeit" (Inhalt und Form der schriftlichen Ausarbeitung und Präsentation) einfließt. Dieser Bericht muss eine individuelle Reflexion über die Praktikumszeit und eine Ausarbeitung eines Schwerpunktthemas enthalten, das vor Ort von der Schülerin/ dem Schüler bestimmt wird und sich z.B. auf folgende Bereiche beziehen kann: Produktionsabläufe, nationale wie internationale Geschäftsbeziehungen, neue Technologien, Fremdsprachenkenntnisse, Kommunikationsstrukturen, soziale Hierarchien (insgesamt vier Seiten). Diese Bearbeitung kann auch für die in 12/2 anstelle der 1. Klausur zu schreibende Facharbeit ausgebaut werden. Eingebunden ist dieses Praktikum in die Vor- und Nachbereitung im Unterricht und durch eine allgemeine wie individuelle Beratung durch das Berufsinformationszen trum (BIZ) in der Schule.

Naturwissenschaftliche Fakultät (Herr Prof. Haussmann)3. In der 13. Jahrgangsstufe findet im 1. Halbjahr eine wesentliche Intensivierung der schon in der 11. Jahrgangsstufe begonnenen Hochschulorientierung statt. In einem Einführungstag geben Herr Prof. Habel und Frau Christoph grundlegende Informationen über ein Studium allgemein und speziell an der Duisburger Universität. Gespräche mit Studierenden unterschiedlicher Fachschaften und eine Führung durch die Universität runden den Tag ab. Geisteswissenschaftliche Fakultät (Herr Dr. Pointner)Eine Woche später, und dies ist das Besondere an dieser Hochschulorientierung, ist der Besuch von einführenden Veranstaltungen (Vorlesungen, Übungen, Proseminaren) geplant, die über einen Zeitraum von zwei Wochen verpflichtend und kontinuierlich besucht werden müssen. Hierzu müssen die Schülerinnen und Schüler in freier Wahl aus einem ihnen vorgelegten Angebot vier verschiedene Veranstaltungen aus den Bereichen Wirtschaft, Physik, Chemie, Mathematik, Germanistik, Anglistik, Pädagogik, Psychologie, Geschichte, Sozialwissenschaften, Romanistik, Ostasienwissenschaft, Medienkommunikation, Informatik und Philosophie aussuchen. Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät (Herr Prof. Habel)Die Schülerinnen und Schüler werden für diese Zeit zwei Tage in der Woche vom Unterricht freigestellt und besuchen pro Tag zwei Veranstaltungen, haben so also insgesamt achtTermine an der Universität während der zwei Wochen. Die zeitliche Kontinuität soll dem Ziel dienen, einen intensiveren Einblick in universitäres Lernen zu vermitteln, um so eine fundierte Entscheidung für ein angestrebtes Studium vorbereiten zu helfen. Dies ist gerade auch vor dem Hintergrund wichtig, da jeder dritte (!) Studierende in Deutschland das Studium abbricht. Die Betreuung übernehmen die jeweiligen Dozentinnen und Dozenten. Auch für diejenigen, die nicht studieren wollen, ergibt sich ein praktischer Nutzen, da Vergleiche zwischen dem Lernen an Universität und Schule inhaltlich wie methodisch gezogen werden können. Dazu müssen alle Schülerinnen und Schüler einen durch die Schule vorbereiteten Protokollbogen ausfüllen. Die Auswertung (Evaluation) findet unter universitärer Beteiligung im Rahmen einer Abschlussveranstaltung am Clauberg-Gymnasium statt.

Abschließende PlenumsdiskussionDer Initiative von Prof. Habel ist es zu verdanken, dass diese intensive Kooperation zwischen dem Clauberg-Gymnasium und der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg zustande gekommen und so ein wichtiger Schritt in Richtung Schulöffnung getan worden ist, den die Schule seit 1976 geht. Auch Frau Christoph von AKZENT muss für die gute Zusammenarbeit gedankt werden.

Mit diesen Maßnahmen will das Clauberg-Gymnasium für seine Schülerinnen und Schüler eine möglichst umfassende Orientierung und Vorbereitung für die Zeit nach dem Abitur leisten.

Wolfgang Kastrup

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